2023-06-05

Neue Distanz, neue Möglichkeiten?

Die Auswirkungen der Coronakrise sind überall spürbar, und die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, bildet keine Ausnahme. Seit dem Ausbruch der Pandemie haben sich sowohl die zwischenmenschlichen Beziehungen als auch die berufliche Kommunikation grundlegend verändert.

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Die zunehmende Distanz in zwischenmenschlichen Beziehungen

Die Coronakrise hat zu einem starken Anstieg in der physischen Distanz zwischen Menschen geführt. Soziale Distanzierung, Lockdowns und Kontaktbeschränkungen haben dazu geführt, dass persönliche Treffen und Zusammenkünfte stark eingeschränkt wurden. Diese Veränderungen führten zu einer erhöhten Isolation und Einsamkeit bei vielen Menschen. Die fehlende Möglichkeit, sich persönlich zu treffen, hat die sozialen Bindungen herausgefordert und zu einer Veränderung im Kommunikationsverhalten geführt. Die American Psychological Association hat dazu mehr als 3.000 erwachsene Amerikaner:innen befragt. Dabei sagten 46 Prozent, dass sie sich nicht damit wohlfühlen, zu ihrem Alltag vor Corona zurückzukehren. 49 Prozent gaben an, dass es ihnen schwer fällt, zwischenmenschliche Begegnungen wieder zuzulassen.

Die Video-Kommunikation als legitime Alternative

Inmitten der physischen Distanzierung hat die Video-Kommunikation eine entscheidende Rolle als Ersatz für persönliche Treffen eingenommen. Plattformen wie Zoom, Microsoft Teams und Skype haben eine rasante Popularität erreicht und wurden währen Corona zu wichtigen Werkzeugen für die Aufrechterhaltung der Kommunikation. Eine Studie des Pew Research Center zeigt, dass 53% der Erwachsenen in den USA Video-Chat-Dienste während der Pandemie genutzt haben, um mit Familie und Freunden in Verbindung zu bleiben. Die Möglichkeit, sich per Video zu treffen, hat es den Menschen ermöglicht, trotz der Distanz in Verbindung zu bleiben und wichtige soziale Interaktionen aufrechtzuerhalten. Seit dem Ende von Corona hat sich die Nutzung von Videokonferenzen im persönlichen und beruflichen Kontext um mindestens 10 % erhöht, sagen verschiedene Studien.

Digitale Seminare und Workshops

Die Coronakrise hat auch zu einem starken Anstieg von digitalen Seminaren und Workshops geführt. Anstatt persönlich an Schulungen oder Fortbildungen teilzunehmen, werden diese nun vermehrt über virtuelle Plattformen abgehalten. Eine Studie des Forschungsinstituts Capterra zeigt, dass 78% der Unternehmen ihre Trainingsaktivitäten auf digitale Formate umgestellt haben. Diese Verlagerung bietet den Vorteil, dass Teilnehmer aus verschiedenen Teilen der Welt problemlos an Veranstaltungen teilnehmen können, was zu einer erhöhten Vielfalt und globalem Austausch führt. Dennoch gehen bei dieser Art der Kommunikation auch einige Aspekte verloren.

Die Bedeutung persönlicher Begegnungen

Persönliche Begegnungen haben eine einzigartige Qualität, die in der digitalen Kommunikation nicht vollständig wiedergegeben werden kann. Wenn Menschen sich persönlich treffen, entsteht eine unmittelbare Verbindung, bei der nonverbale Signale wie Mimik, Gestik und Körperhaltung eine bedeutende Rolle spielen. Diese nonverbalen Elemente tragen maßgeblich zur Interpretation und Verständigung bei und können in digitalen Interaktionen oft nur begrenzt oder verzögert übermittelt werden. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Inhalt der Kommunikation nur einen kleinen Teil von etwa 10% ausmacht, um bei unserem Gesprächspartner ein gelungenes Kommunikationsgefühl zu erzeugen. Diese Erkenntnis basiert auf der Forschung des Psychologen Albert Mehrabian. Mehrabian postulierte das sogenannte “7-38-55”-Kommunikationsmodell, das besagt, dass die Art und Weise, wie wir Informationen vermitteln, aus drei Elementen besteht: Worte (7%), Stimme (38%) und Körpersprache (55%).
Die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation, wie Mimik, Gestik, Tonfall und Körperhaltung, ist also besonders hoch. Diese nonverbalen Signale tragen maßgeblich dazu bei, wie unsere Botschaften interpretiert und verstanden werden. Sie vermitteln Emotionen, schaffen Vertrauen und tragen zur zwischenmenschlichen Verbindung bei.

Persönliche Begegnung toppt digitale Alternativen

Eine Studie der UCLA zeigt, dass persönliche Begegnungen die Begeisterungsfähigkeit der Einzelnen stärker fördert. Die direkte physische Präsenz ermöglicht eine intensivere emotionale Erfahrung und eine erhöhte Empathie zwischen den Teilnehmern. Darüber hinaus fördern persönliche Treffen auch das Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit, da sie eine gemeinsame physische Erfahrung ermöglichen.

Persönliche Begegnungen bieten zudem Raum für spontane Interaktionen und informelle Gespräche, die in digitalen Umgebungen oft verloren gehen. Beispielsweise können sich Teilnehmer:innen einer Konferenz oder eines Workshops in den Pausen persönlich austauschen und Ideen diskutieren. Diese informellen Kontakte können zu neuen Perspektiven, Inspiration und kreativen Lösungen führen. In einer Studie der Harvard Business School wurde festgestellt, dass informelle Gespräche am Arbeitsplatz die Innovationsfähigkeit und Kreativität der Mitarbeiter fördern.

Die digitale Kommunikation bot während der Coronakrise eine gelungene Alternative zur gewohnten Kommunikation. Sie ermöglichen eine sichere Interaktion und den Austausch von Informationen über große Distanzen hinweg. Sie trug zur Aufrechterhaltung sozialer Verbindungen bei und ermöglichte die Fortsetzung von beruflichen Aktivitäten, wenn persönliche Treffen nicht möglich waren. Zudem ist sie betriebswirtschaftlich attraktiv, da Reise- und Übernachtungskosten wegfallen.

Zweifellos hat Corona zu einer veränderten Kommunikation geführt, in der sich Menschen vermehrt in Distanz begaben. Die Video-Kommunikation hat sich als legitime Alternative zur persönlichen Interaktion etabliert und ermöglicht es, Kontakte aufrechtzuerhalten und berufliche Aktivitäten fortzusetzen.
Dennoch sollten wir die Bedeutung persönlicher Begegnungen nicht unterschätzen. Sie fördern die Begeisterungsfähigkeit, ermöglichen informelle Interaktionen und stärken das Gefühl von Gemeinschaft. Eine ausgewogene Nutzung beider Kommunikationsformen kann und muss zu einer vielfältigen und effektiven Kommunikation in einer post-pandemischen Welt führen.

Schwartz - 12:49:01 @ Coaching, Kommunikation, Organisationsentwicklung | Kommentar hinzufügen


 
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